
Urs Jaeggi, Portrait Acryl auf Leinwand, Jovan Balov, 2014
Urs Jaeggi
Soziologe Schriftsteller Künstler
23.06.1934: Solothurn
13.11.2021: Berlin
Urs Jaeggi Point im Cafe Kunst Genuss
Der Soziologe, Schriftsteller und Künstler lebte fast 30 Jahre in unmittelbarer Nähe des Cafe-Kunst- Genuss in Berlin Charlottenburg in der Fritsche Straße 68.
Im Jahr 2019 ist er im Alter von 89 Jahren verstorben und hat einen großen Fundus seiner künstlerischen Arbeiten hinterlassen.
Einen großen Teil seiner Werke konnte „gerettet“ werden und sind nun eingelagert und stehen auch für geeignete Ausstellungen zur Verfügung.
Da das Cafe-Kunst-Genuss auch als Galerie mit zweimonatigen wechselnden Künstlern/in fungiert, wurde jetzt in einem Raum der Galerie eine Dauerausstellung mit Werken von Urs Jaeggi eingerichtet.
Auch hier wechseln die Exponate in unregelmäßigen Abständen und verschaffen so einen guten Überblick über die große Schaffenskraft des Künstlers Urs Jaeggi.
Für Jaeggi Fans sollte ein Besuch in dieser intimen Ausstellung ein Muss sein.
Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Cafe oder nach Terminabsprache besucht werden.

Leben und Werk
Urs Jaeggi – Sohn eines Notars und dessen Frau – absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und arbeitete fünf Jahre lang in diesem Beruf. Gleichzeitig holte er seine Matura auf den zweiten Bildungsweg nach.
Er studierte anschließend Nationalökonomie, Soziologie und Kunstgeschichte in Genf, Bern und Berlin. 1959 wurde er an der Universität Bern zum Dr. rer. pol. promoviert. Dort war er Assistent des Entwicklungssoziologen Richard Fritz Behrendt. Danach war er von 1959 bis 1961 wissenschaftlicher Assistent an der Universität Münster und an der Sozialforschungsstelle in Dortmund. Ab 1961 lehrte er am Soziologischen Institut der Universität Bern, an dem er 1964 habilitiert wurde. 1965 wurde er dort außerordentlicher Professor für Soziologie. In den 1960er Jahren war er mit der Psychologin Eva Jaeggi verheiratet. Ihre gemeinsame Tochter Rahel Jaeggi ist Professorin für Praktische Philosophie an der HU Berlin.
1966 erhielt er einen Ruf an die neugegründete Ruhr-Universität Bochum, wo er Inhaber eines Lehrstuhls für Soziologie war. Teile der Studentenbewegung bezogen sich auf sein Werk, insbesondere auf die Analysen in „Macht und Herrschaft in der Bundesrepublik” (1969). Anders als Leo Kofler, sein Nachfolger auf dem Bochumer Lehrstuhl, verband Jaeggi seine Arbeit auf dem Gebiet der soziologischen Theorie mit Ansätzen empirischer Sozialforschung und veröffentlichte damals unter anderem bedeutende Arbeiten zur Politischen Soziologie.
1970/71 lehrte er als Gastprofessor an der New School for Social Research in New York, währenddessen wurde er von Judith Jánoska-Bendl in Bochum vertreten. Von 1972 bis 1992 war Jaeggi Ordinarius am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin, wo er unter anderem die Dissertation von Rudi Dutschke betreute. Zum Ende dieser Zeit teilte er diese Stelle mit Gabriele Althaus, um sich der Bildhauerei und der Kunst widmen zu können. Jaeggi unterhielt auch ein Atelier in Berlin.
Urs Jaeggi trat nicht nur als Verfasser zahlreicher soziologischer Arbeiten hervor, sondern auch ab den 1960er Jahren als Autor belletristischer Werke, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. So gewann er 1981 mit Ruth, einem Auszug aus seinem Roman Grundrisse, den Ingeborg Bachmann Preis.
Sein Archiv befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern. Ab 1985 war Jaeggi zudem als Maler, Bildhauer und auf dem Gebiet der Aktionskunst tätig. Seine letzte große Ausstellung fand im Sommer 2020 in Berlin statt.
Urs Jaeggi lebte in Berlin und Mexiko-Stadt. Er starb im Februar 2021 im Alter von 89 Jahren in Berlin. Er wurde auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof beigesetzt.
Quellen: Text Wikipedia